Die EVP

Die Reformation ist der Ausgangspunkt aller evangelisch- politischen Tätigkeiten. Der Reformator Ulrich Zwingli reformierte nicht nur die Kirche, er war auch Staatsmann. Der Staat Bern wurde 1528 reformiert.

 

1850 – 1870 werden erste evangelische Bürger politisch aktiv, sie gehören ausschliesslich den aristokratisch- konservativen Kreisen an. Nur Bürger in gehobener Stellung beginnen langsam im öffentlichen Leben mitzureden. Die gnädigen Herren von Bern sitzen noch fest im Sattel. 1875 wird der Eidgenössische Verein gegründet. Dieser Verein kann als die erste protestantische Partei im noch jungen Bundesstaat bezeichnet werden. Diese evangelischen Gruppen sind stockkonservativ, richtige Vereine von Herren ohne Volk.

 

1880 wird im Kanton Bern die Protestantisch-konservative Partei gegründet. Diese Volkspartei verschwindet ums Jahr 1910, das konservative Element wurde immer unzeitgemässer. Der grosse Vormarsch der Sozialdemokraten hatte begonnen, der Freisinn dominierte die Politik.

1894 – 1909 wurden Evangelisch-Soziale Arbeitervereine gegründet. 1898 in Bern mit einem Mitgliederbestand von über 200. Der Basler Arbeiterverein hat als einziger überlebt, alle andern lösten sich 1914 wieder auf.  

Nun kam das grosse politische Durcheinander nach dem ersten Weltkrieg (1914-1918). Auf dem Scherbenhaufen des Generalstreiks von 1918 entstanden 3 neue Gruppierungen:  

* 1918 Die Bauern-Gewerbe & Bürgerpartei (BGB), heute SVP

* 1919 Die Evangelische Volkspartei (EVP)

* 1920 Der Verband Evangelischer Arbeitnehmer (SVEA)  

 

1918 formiert sich im Kanton Bern im Blick auf die Nationalratswahlen von 1919, (erstmals Wahlen im Proporz), die Politische Vereinigung christlicher Bürger. Diese Gruppe ergreift die Initiative zur Gründung einer schweizerischen EVP. Arnold Muggli, Kaufmann in Bern war der Initiant für die „Vertrauensmänner- Versammlung“ in Brugg die am 8.3.1919 die Gründung der EVP beschloss.

 

1919 wird die EVP des Kantons Bern gegründet; es entstehen die Ortsparteien Bern, Thun, Biel, Steffisburg und Saanen. Die Nationalratswahlen 1919 verlaufen für die Zürcher EVP erfolgreich, Dr. Hans Hopeler, Arzt, wird als erster EVP Nationalrat gewählt. Die Berner gehen mit nur 5 Ortsparteien und total 200 Mitgliedern leer aus.


Einige Bemerkungen zu den Startschwierigkeiten

Die EVP des Kt.Bern hatte einen ausgesprochen pietistischen Einschlag. Die Parteiversammlungen werden mit Gebet eröffnet und geschlossen, auch Kirchenlieder fehlten am Anfang nicht. In Basel war es offiziell die „Stündeler-Partei“. In der jungen Partei finden wir eine besondere Mischung von tiefgläubiger Frömmigkeit und tapferem Realismus. Die EVP wird rasch die Partei des kleinen Mannes mit oft recht naiven Ansichten, aber mit selbstverständlichem Glauben und vor allem mit einer echten Opferbereitschaft ohne berechnende Vorbehalte. Oft wird die Partei durch die grossen internen Gegensätze die eine Volkspartei mit sich bringt arg erschüttert. Viele kämpfen für den sozialen Fortschritt, die konservativen Kräfte sind aber noch sehr stark verankert. Die Konsolidierung der EVP wird erst nach 10 Jahren abgeschlossen.


Die Evangelische Volkspartei im Überblick

Gegründet...

1919 in Brugg als erste schweizerische "Volkspartei".

Ziel...

Die EVP will auf der Grundlage des Evangeliums eine sachbezogene und am Menschen orientierte Politik betreiben. 

Am Anfang...

stand die Überzeugung, dass sich christlicher Glaube auch in konkretem politischem Engagement ausdrücken muss.

Heute...

hat sich die EVP auf dieser Grundlage als kleine, aber wirkungsvolle Partei etabliert, deren Stimme in der politischen Meinungsbildung aufmerksam Gehör geschenkt wird.

 

In Thun...

Die EVP Thun besteht seit 1920 und blickt mit Zuversicht in die Zukunft. Wir glauben, dass eine Politik, die sich an grundlegenden christlichen Wertmassstäben orientiert, auch künftig einen wichtigen Beitrag zur Gestaltung unserer Gesellschaft leisten kann.